Mittwoch, 27. Februar 2013

Lebenszeichen

Lang lang ist´s her, dass ich mich gemeldet hab. Ich habe schon viele besorgte Mails bekommen, wo ich denn stecken und wie es mir gehen würde.
Deshalb jetzt hier ein Lebenszeichen von mir!

Ich kann gar nicht alles beschreiben, was so in den letzten Wochen alles passiert ist. Einfach Leben ist passiert denke ich.
Ich kann Euch ja einfach mal einen typischen indischen Tag von mir beschreiben.
7.35 Uhr: Meine Aunty unterhält sich in voller Lautstärke mit ihrer Schwester, die im Nachbarhaus wohnt. Und das direkt vor meinem geöffneten Fenster. Grummelnd drehe ich mich um und versuche noch ein bisschen zu schlafen.

8.00 Uhr: Krachend öffnet sich meine Zimmertür. "Taanjaaa... come!" Jetzt bin ich endgültig wach. Ich schlurfe aus meinem Zimmer und setze mich an den Frühstückstisch. Verschlafen grinse ich Aunty und Deryl an: "Good morning!"

8.15 Uhr: Nachdem ich mein Geschirr gewaschen hab, stehe ich in meinem Zimmer und denke gleichzeitig darüber nach, was ich heute anziehen und was ich mit den Kindern in der Schule machen soll. Beides schwierige Entscheidungen.

8.40 Uhr: Frisch geduscht und mit einem groben Plan für die Schule im Kopf, hole ich die Zeitung aus dem Briefkasten. "Was mache ich denn jetzt noch so lange bis 9.30 Uhr?!" Ich könnte Tagebuch schreiben oder noch ein bisschen lesen. Oder ich lege mich einfach noch für ne halbe Stunde hin ;)

9.10 Uhr: Oh mist, jetzt aber schnell, Zähneputzen, Schminken, Haare machen, Tasche packen.

9.30 Uhr: Ich stürze aus dem Haus, halben Weg zum Tor fällt mir auf, dass ich den Schlüssel vergessen hab, also nochmal zurück. Freundlch bekannte Gesichter begrüßen mich auf dem Weg zur Bushaltstelle, wo ich auf die Lehrer warten soll.

9.37 Uhr: Mist der Bus ist schon weg. Also laufe ich ganz schnell, um die Lehrer noch einzuholen.

9.45 Uhr: "Hi... Good morning... sorry!" stoße ich etwas außer Atem hevor. Wissendes Lächeln breitet sich auf den Gesichtern der Lehrer aus. "What was the breakfast today?" Während mich diese Frage anfangs noch irritierte, sage ich jetzt gelassen "Avalaki, matte niwu?" (Avalaki und bei Ihnen?)

9.55 Uhr: Prayer in der Schule. alle Schüler sind in Reih und Glied aufgestellt. Zuerst singen Mädchen aus der 7. und 6. Klasse aus vollem Hals die Hymne von Karnataka, danach wird ein Gebet gesprochen, etwas aus der Zeitung vorgelesen und ein Quiz gemacht. Zum Abschluss wird eine Art Schulbekenntnis gesprochen (soweit wie ich das verstehen kann, so von wegen, "ich werde fleißig sein und Lernbereitschaft zeigen... und so)

10.05 Uhr: Erstmal Zeitung lesen im Lehrerzimmer.

10.40 Uhr: Die Klingel ertönt. Zeit für mich, die vierte Klasse zu übernehmen. "madam" hier "madam" da und natürlich "please, madam, pleeeease!"

12.35 Uhr: Die Klingel ertönt zur Mittagspause. Ich korrigiere noch Aufgaben von Schülern, während mir einer der Schüler einen Teller mit Reis und Gemüse bringt. Wenn alle Lehrer da sind, essen wir gemeinsam

13.15 Uhr: Ich sitze im Lehrerzimmer, warte auf das Ende der Pause und versuche zu verstehen, worüber sich die Lehrer unterhalten. Das klappt mittlerweile ganz gut, immerhin weiß ich immer grob worum es geht.

13.30 Uhr: Und weiter geht´s  mit dem Unterricht. Diesmal die 5. Klasse

15.35 Uhr: Das erlösende Klingeln für alle Schüler. Jetzt fängt die Spielstunde an, in der sich die Schüler draußen frei bewegen und Fuß-, Volley-, Federball oder das Cashewnut-game spielen. Meistens spiele ich mit Sachin aus der 7. Klasse Volleyball.

16.00 Uhr: Die Klingel ertönt und die Kinder reihen sich wieder auf zum Prayer, bei dem die indische Nationalhymne gesungen wird. Danach strömen alle Kinder fröhlich schnatternd nach Hause. "Bye teacher, bye madam!"

16.20 Uhr: Ich komme erschöpft zu Hause an und Aunty erzählt mir fröhlich schnatternd von ihrem Tag. Dann gibt sie mir die Reste vom Frühstück zu essen.

17.30 Uhr: Ich mache mich auf zum Strand, ein Buch und Musik in der Tasche. Auf dem Weg treffe ich viele bekannte Gesichter. Na Hallo wie geht´s denn so. Ach gehste wieder zum Strand, na dann wir sehen uns ...

19.45 Uhr: Ich komme zu Hause an. Es ist schon dunkel. Ich suche ewig nach dem Schlüssel für´s Tor, gebe es aber irgendwann auf und klettere über die Mauer. Leise öffne ich die Tür und schleiche in mein Zimmer. Ich will Aunty und Deryl nicht bei ihrem Gebet stören.

20.15 Uhr: Es gibt Essen. Reis und Fishcurry mit Gemüse. Aunty redet mit Deryl. Für mich ist es schwer etwas zu verstehen, da Konkani eine komplett andere Sprache ist. Manchmal übersetzt Aunty dann für mich.

20.30 Uhr: Die tägliche Serie startet. Aunty und Deryl sitzen gebannt vor dem Fernseher. In den Werbepausen singen Deryl und ich gemeinsam die Jingles mit. Ich sitze in meinem Zimmer und schreibe Tagebuch, lese oder telefoniere...

22.00 Uhr: "Taaanjaa, put off the light!" Schnell noch Zähne putzen. Und dann checke ich noch kurz meine Mails und telefoniere lange. Was soll man auch anderes machen ohne Licht?!

Also jetzt wisst ihr wie´s hier so zugeht. Ich lebe noch, mir geht es sehr gut und ich genieße das indische Leben hier.

Bye und Tata
Eure Tani

Dienstag, 26. Februar 2013

das Stadtkind in geliebten Gefilden

Eine Woche Mumbai war genauso faszinierend wie aufregend.
Voller Erwartungen bestiegen Jana und ich den Zug und fuhren den Sonnenuntergang beobachtend Richtung Stadt, das ländliche und uns vertraute Indien verlassend, auf in ein großes Abenteuer. Nach einer kurzen Nacht im Zug kamen wir morgens in Mumbai an. Vom Bahnhof aus mussten wir jetzt nur noch den Weg zur Wohnung des Freundes von Janas Eltern finden, der seit 10 Jahren in Mumbai lebt und seit einigen Jahren mit einer Inderin verheiratet ist. Nachdem uns der Taxifahrer abgezogen und uns dann auch noch am falschen Ort rausgelassen hatte, kamen wir dann doch irgendwie ans Ziel und wurden herzlich von Christopher und Sushmita empfangen. Zuersteinmal luden sie uns zum Bagel-Frühstücken ein. Mmh lecker, aber so gar nicht indisch.

So ich werde nun versuchen Euch nahe zu bringen, wie ich Mumbai wahrgenommen habe. Es ist eher ein Gefühl, das ich zu beschreiben versuche, als Erlebtes. Das erste, das mir einfällt ist, dass Mumbai endlich mal wieder Stadt war. Mir war nicht klar, dass ich das Stadtleben so vermissen würde. Aber als ich laute Straßen, viele verschiedene Menschen und Geschäfte und Shops in allen Farben und Größen um mich hatte, fühlte ich mich wohl. Dass nach 10 die Stadt erst so richtig aufblühte und nicht wie zu Hause alles schon lange schlief, war mir als Nachteule natürlich besonders willkommen. Auch dass uns auf der Straße nicht alle, sondern nur einige Blicke folgten, war erfrischend. Eine Freiheit, die ich bisher nur in der Stadt habe genießen könnten, fühlte ich auch in dieser Stadt. Ich fühlte mich als wäre alles möglich. Ich fühlte mich inspiriert. Nicht zuletzt auch durch einen Theaterbesuch, der mich so sehr an zu Hause erinnerte, dass es schon beinahe surreal wirkte. Ganz Mumbai wirkte surreal. Ein kleines Stück zu Hause im großen unbekannten Indien.
Das Gefühl, dort zu Hause zu sein, habe ich aber auch ohne Zweifel Christopher und Sushmita zu verdanken, die uns sehr freundlich und freundschaftlich aufgenommen, uns hilfreiche Tipps gegeben und uns zu einigen Veranstaltungen mitgenommen haben. Schon alleine, dass wir die ganze Zeit Deutsch sprachen, war etwas in Indien Ungewohntes für uns.
Auch das Essen war nicht typisch indisch. Wie schon erwähnt die Bagels, dann Cornflakes und Früchte zum Frühstück, leckeren italienischen Brunch von vormittags bis nachmittags und als Höhepunkt das all-you-can-eat-Sushi- und Chinesisch-Buffett. In Christophers und Sushmitas Gesellschaft fühlten wir uns wie in einer europäischen Blase, die wir wieder zerplatzen ließen als Jana und ich alleine unterwegs waren. Mit indischer Gelassenheit schlenderten wir durch Straßen, die zweifellos an portugiesische oder Spanische Straßen erinnerten. Wir schauten Sehenswürdigkeiten wie das Gateway of India oder die University of Mumbai an und reihten uns in die langen Chai-Schlangen vor den Businessgebäuden ein. An Straßenständen tranken wir aber nicht nur etliche Male am Tag Chai sondern probierten uns durch alle möglichen Köstlichkeiten durch. Jana ist der Meister im Handeln und verdrehte jedem Shopbesitzer den Verstand mit ihrer Hartnäckigkeit. Aber am Ende waren sie doch immer sehr zufrieden und hatten ihren Spaß am Handeln, genauso wie wir :) Deshalb waren unsere Rucksäcke auch deutlich schwerer auf dem Rückweg.
Mit unseren Kannada-Kenntnissen kamen wir leider nicht sehr weit. Wenn wir dann aber doch mal ein freundliches Gesicht aus Karnataka trafen, gab es großes Hallo auf beiden Seiten. In Mumbai fiel mir die Vielfalt der Inder extrem auf. Man musste sich nur für einige Minuten auf den Bahnhof stellen und beobachten wie Massen von Menschen aus dem Zug strömten, dann war einem klar wie viele verschiedene Menschen es nich nur in Indien, sondern auf der ganzen Welt geben musste. Das Zugfahren war auch eine Sache für sich. Wenn wir dann mal ein Frauenabteil gefunden hatten, in dem ein buntes Treiben von Businessfrauen bis hin zu traditionell Sari tragenenden Frauen herrschte und wo Schmuckverkäufer ihre Waren anpriesen, hatten wir viel zu sehen. Sowohl innerhalb als auch außerhalb des Zuges. Die Stadt zog an uns vorbei, Slums schmiegten sich an beiden Seiten der Gleise, ihre Bewohner nur einige handbreit von uns entfernt. Alltägliches Leben spielte sich dort ab und ich empfand es als das Normalste der Welt. Eine Zugfahrt in den Süden der Stadt dauerte eine dreiviertel Stunde von Bandra aus, das zentral gelegen einer der "beliebteren" Stadtteile zu sein scheint. Mumbai ist wirklich riesig und von einem Ort zum anderen zu kommen, stellte sich manchmal als schwierig und sehr anstrengend heraus. Wenn Jana und ich dann nur noch durch die Straßen schlurften, musste ein Chai her, der uns wieder aufputschte. Dann waren wir wieder voller Energie und stürzten uns erneut euphorisch ins Stadtleben der 16-Millionen Stadt.

In Mumbai hatte ich eine wunderschöne Zeit mit Jana, an die ich mich gerne zurück erinnern werde. Und auch zurückkehren möchte ich in die Stadt, die mich fasziniert wie kaum eine andere.



Freitag, 4. Januar 2013

happy merry christmas!

WEIHNACHTEN!
Also ja so groß wie es jetzt geschrieben ist, war es auch nicht. Nachdem ich in der Schule beim Austeilen von Chocolates von den Kindern umringt und erst wieder frei gelassen worden bin als alles alle war, konnte Weihnachten beginnen. Übrigens heißt hier alles, was auch nur ansatzweise süß ist "chocolates", auch wenn die wenigsten Bonbons wirklich Schokolade enthalten ;)
Nach der Schule bin ich zu Jana nach Gangolli, ins nächste Dorf, gefahren. Dort haben wir zur großen Freude der Kinder ein Lebkuchenhaus gebaut, was Papa mir geschickt hatte. Danke! Es ist super angekommen. Während Jana und ich ein bisschen planlos die Platten zu einem Haus zusammenzufügen versuchten, kamen neugierige Nachbarn vorbei und beäugten die komische german chocolate. Als es dann aber doch wie ein Haus aussah, war Janas Gastschwester Veena aber auch begeistert dabei, das Haus zu dekorieren. "First make the house, then photo, then eat!" Zwar waren alle skeptisch, aber probierten es dann doch gerne.
Danach machten Jana und ich noch einen langen Strandspaziergang und legten uns in eines der Fischerboote am Strand. Wir schauten in den Himmel und suchten nach Sternschnuppen. Wieder zu Hause zündeten wir ein paar Kerzen an und lagen in Janas Zimmer auf dem Boden bis wir einschliefen.
Ein sehr schönes Weihnachten, wenn auch komplett anders als ich es sonst gewöhnt bin.
Am 25. Dez kam ich nach Hause, wo meine Aunty und Deryl schon angefangen hatten, wild zu kochen. Das Essen war wirklich ein Traum: Chicken Biriyani. Das ist besonderer Reis mit Cashew Kernen und Rosinen und dazu Chicken, Salat und Curry. Ich glaube, das war das beste, was ich in diesem Haus je gegessen habe. Und das allerbeste daran war, dass sie so viel gemacht hatten, dass wir davon noch sooo viele Tage essen konnten ;)

SCHOOLDAY!
Schon zwei Wochen vor dem großen Tag wurde kein Unterricht mehr gemacht. Nur noch "dance practise" "nataka practise"(Theater) und "decorations". Die gesamte Schule stellte ein Programm auf die Beine, was dann zum Schoolday aufgeführt werden sollte. Am 27. war es dann endlich so weit. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich einen Sari an! Die Lehrerinnen hatten vorgeschlagen, dass wir doch am Schoolday alle den gleichen Sari tragen sollten, da sagte ich natürlich nicht nein, hatte dann aber doch so meine Problem an besagtem Tag den Sari zu tragen. Zuerst einmal ist es unglaublich kompliziert dieses lange Stück Stoff so um mich rumzuwickeln, dass es halbwegs gut aussieht und auch nicht gleich wieder runterfällt. Zum Glück halfen mir Aunty und Deryl. Das nächste Problem war das Laufen, nur ganz kleine Schritte und bloß nicht auf den Sari drauftreten.Treppensteigen war das Schlimmste. In der Schule angekommen, begrüßten mich alle so überschwänglich und beteuerten mir, dass ich wunderschön aussehe. Das brauchte ich in dem Moment auch, da ich den Sari am liebsten wieder sofort ausgezogen hätte. ;) Ich zog noch mehr als sonst die Blicke auf mich und konnte immer nur freundlich lächelnd da stehen und winken. Aber mit der Zeit gewöhnte ich mich an den Sari und fand es sogar ganz angenehm, ihn zu tragen. Aber als ich ihn dann wieder ausziehen durfte, war ich aber doch ganz froh :D
Der Schoolday an sich war durch lange langweilige Kannada-Reden langweilig und sehr lang. Die Kinder haben zwar super getanzt, aber am Ende war das ganze Publikum ,und die Kinder wahrscheinlich auch, so müde, dass alle nur noch nach Hause wollten.

SILVESTER!
Dieses Silvester war definitiv mal was anderes. Jana und ich wurden von einem Freund von Janas Gastbruder Prashanth zum Essen eingeladen. Dieses ist nämlich seit kurzem stolzer Besitzer eines Chicken Shops in Gangolli - Viju Chicken Gangolli. Viju bereitete für uns und sieben seiner Freunde ein so leckeres Essen, das war sogar noch besser als das zu Weihnachten. Wir saßen mit den ganzen Indern auf dem Dach und hatten so unserem Spaß. Um Mitternacht gab es einen Kuchen weil einer der Freunde Geburtstag hatte... Wir haben ausgelassen gefeiert, gelacht, getanzt und gesungen. Später sind wir noch zum Strand gegangen, wo andere Leute ein Feuer gemacht hatten. Es war also ein rundum schönes Silvester...

Was es sonst noch so zu sagen gibt:
Ich wurde von einem meiner Schüler gefragt, ob "merry" christmas ein "german word" sei.
Gestern habe ich meinen ersten Heiratsantrag bekommen von einem Typen, den ich nicht kannte, der aber wirklich niedergeschlagen war, als ich sein Angebot dankend ablehnte.
Heute habe ich mich mit einem kleinen Jungen komplett nur auf Kannada unterhalten *stolz sei*
Heute morgen gab es schon wieder Banana Buns, ich kann einfach nicht genug von denen bekommen ;) ...
Einer meiner Schüler hat mir sehr ernsthaft erklärt, dass ich Nudelhaare hätte und das käme daher, weil ich so viele Nudeln esse. hahhaha
Ich habe mittlerweile schon richtige indische Lieblingslieder, die ich immer rauf und runter höre und singe, so gut ich das kann...

Ich hoffe, auch Ihr hatte schöne Weihnachten und seid gut ins neue Jahr gekommen?!
Die allerwärmsten Grüße aus meinem liebsten Indien!
Tata
EureTani

Freitag, 21. Dezember 2012

YENTA?! What happened?!

Es braucht immer ein bisschen Zeit, ehe ich zum Schreiben komme. Ich hoffe, ihr habt nicht zu sehnsüchtig gewartet, falls doch, hier ist er nun, der neue Blogeintrag! Es gibt wieder viel zu berichten:
Angefangen mit einem Trip nach Mangalore, wo ich mit Conni im Kino war. Wir haben Breaking Dawn geguckt. Hahaha. Der letzte Film dieser Reihe war einfach wie ein Stück zu Hause. Obwohl, im Kino war es doch sehr indisch: Die Inder haben sorglos telefoniert und sind noch vor Ende des Films aus dem Kino gestürzt, genauso wie sie immer aus dem Bus stürzen, obwohl Endstation ist. ;)
In Mangalore gibt es an sich nicht viel zu sehen. Mit zwei Shopping Centres ist es sehr westlich. Der Kadri Tempel war aber schon einen Besuch wert. Wir haben den Gläubigen zugeschaut wie sie sich in Pool ähnlichen Becken gewaschen haben. Es war schön, die Ruhe zu genießen und das Traditionelle dort wieder zu finden, nachdem wir in die westliche Konsumwelt von Mangalore  hineingesogen wurden.
Letzten Mittwoch war ich dann zu einer Hochzeit eingeladen- wiedermal. Diesmal war es eine Hindu Hochzeit und eingeladen wurde ich von einer der Lehrerinnen, deren Bruder verheiratet wurde. Mit einem Bus voller bunter schnatternder und Musik machender Leute sind wir zu einem Tempel gefahren, wo die Hochzeitszeremonie stattfand. Das Brautpaar wurde gesegnet und musste dann viele Runden gemeinsam um das heilige Feuer herumlaufen. Die Braut war reich geschmückt mit Blumen und Gold, wirkte aber eher verhalten. Auch bei der anderen Hochzeit, die ich erlebt habe, war das so. Es ist aber auch nicht verwunderlich, immerhin wird die Braut in die Familie des Bräutigams gegeben und verlässt ab dem Tag der Hochzeit ihr altes Leben, um mit jemandem zusammen zu leben, den sie erst ein paar Wochen kennt.
Das Essen auf Bananenblättern war sehr sehr lecker. Nur leider essen die meisten Inder immer so schnell, dass ich es gar nicht richtig auskosten konnte. ;) Ich konnte es leider auch nicht richtig identifizieren, was ich da gegessen hab. Auf jeden Fall Reis und Samba, das ist eine Gemüsesoße, immer mit unterschiedlichem Gemüse. Es gab noch anderes Gemüse dazu, aber das hab ich nicht erkannt. Dann gab es Papad, kleines knuspriges gelbes Gebäck. Lassi mit Gewürzen, Mangochutney, Paysam, süßer Brei mit Cashewkernen und leckeren anderen Gewürzen und eine Art süßes Fladenbrot, das ein bisschen mehlig geschmeckt hat. Sehr aufregend! ;)
Danach wurde das Brautpaar beglückwünscht und mit Geschenken überhäuft. Jeder wollte dann noch ein Foto von dem Brautpaar und sich haben, bis die beiden armen Brautleute, bestimmt schon total ausgehungert, auch endlich essen durften!
Mit dem Bus ging es dann zurück zum Haus des Bräutigams, wo es noch weiter ging mit den Festivitäten. Ich musste dann aber leider schon nach Hause, war aber sehr dankbar, dass ich die Hochzeit miterleben durfte. Nach einer christlichen und einer Hindu Hochzeit, die beide arrangiert waren, fehlt mir jetzt nur noch eine Love-Marriage :)

Zudem gab es in den letzten Wochen wieder einmal viele andere Festivitäten. Als ich eines Abends vom Strand zurück kam, war am Weg eine Bühne aufgebaut und ein paar Schüler, die ich dort traf, erklärten mir, dass dort später "Yagshaghana" stattfinden würde. Das ist eine der indischen Geschichten, die mit Tanz und Gesang aufgeführt werden und das die ganze Nacht lang. Als ich Aunty davon erzählte, sagte sie nur "Ah you want to see it?". Nachdem ihre Serie zu Ende war, ging sie tatsächlich mit mir dorthin. Das hätte ich ihr ehrlich gesagt nicht zugetraut. Aber es war ein sehr schöner Abend mit ihr. Sie amüsierte sich prächtig über die Darbietung und erklärte mir kichernd, worum es dabei ging. Auch wenn sie manchmal sehr streng und stur ist, ist sie dennoch eine liebenswerte Frau und ich bin froh, bei ihr gelandet zu sein.
Es stand auch wieder eine Dance Show an. Diesmal in Kundapur, wo ein großes Straßenfest den Anlass gab. Die Show war gut, zumal wir immer mehr in die Dance Class intergriert werden und uns jetzt schon wie ein Teil von ihr fühlen.

Was es noch zu sagen gibt:
Ich habe mir endlich neue Schuhe gekauft. Nach drei Monaten in Trekking Sandalen wird ja der Hund in der Pfanne verrückt.
Meine Aunty hat mir letztens einen Sari geschenkt! WOW
Nicht nur, dass ich das Kopfgewackel übernommen hab, jetzt strecke ich auch meine Hand aus und zeige mit dem Daumen nach oben, um zu fragen "YENTA?" (Was ist los?) 
Meine Angst vor Kühen mit großen Hörnern ist noch immer nicht verschwunden, ich hatte sogar schon mal einen Albtraum, wie mich mehrere Kühe auf einem engen Weg bedroht haben. hahhaa. Ich bin halt ein richtiges Stadtkind!
hahhaha. Letztens meinten wir zu unserem Tanzlehrer, dass wir ne Party am Strand feiern. Und er meinte "What party? Biriyani?" (Biriyani ist ein Reis-Gericht, das es oft zu Functions gibt. Und Party heißt hier anscheinend, dass man einen ausgibt...) hahahahah...
Letztens gab es zum Frühstück eine Überraschung: meine heißgeliebten Banana Buns, die gibt es sonst nie zu Hause.
Auf dem Weg zum Strand treffe ich immer so viele Leute, ich bin den ganzen Weg damit beschäftigt zu winken und hi, bye oder how are you zu sagen...
Als eingefleischter Tolkin-Fan bin ich gleich am ersten Wochenende des Kinostarts nach Mangalore gefahren um ir den Hobbit anzuschauen.

Nun ist auch schon bald Weihnachten, was ich hier kaum mitbekomme. Abgesehen von dem kitschigen Plastikweihnachtsbaum und den noch kitschigeren Dekorationen, mit denen meine Aunty das Wohnzimmer in eine Weihnachtshölle verwandelt hat, gibt es nicht viel, was auf Weihnachten hinweist. Das Wetter ist so unweihnachtlich wie man es sich nur vorstellen kann und dass der Strand unverändert paradiesisch direkt vor meiner Haustür liegt, lässt nur schwer Weihnachtsgefühle aufkommen. Dennoch habe ich mich schon über einige Weihnachtsbriefe- und pakete freuen können! Danke! Also ich wünsche Euch allen wunderschöne (weiße) Weihnachten, ein schönes Zusammensein mit der Familie und entspannte Weihnachtsfeiertage!
Ich sende Euch salzige Meeresluftgrüße! Tata!
Eure Tani

Donnerstag, 29. November 2012

Von Function zu Function

Da bin ich wieder mit neuen Berichten aus dem Land, das mich immer wieder überrascht. Auch nach knapp drei Monaten kenne ich mich hier noch längst nicht mit allem aus.
Letzte Woche hatte ich mein 3-Monats-Seminar. Aber noch sind es nicht ganz drei Monate, die ich jetzt hier bin. Es kommt mir einerseits wie eine ewig lange Zeit vor, andererseits ist die Zeit so schnell vergangen, was mir ein bisschen Angst macht, wenn ich die nur acht Monate betrachte, die ich noch vor mir habe.
Das Seminar war ganz okay. Es war ganz gut, sich mal mit anderen auszutauschen, aber im Allgemeinen hat es mir nicht viel gebracht. Ich brauchte aber auch keine Hilfe. Mit meinem Koordinator Daya komme ich super klar. Er ist sehr ruhig, aber versteht mich gut. Er kümmert sich wirklich gut und er ist schon so nen kleiner Papa. Also da habe ich echt Glück gehabt, dass ich ihn erwischt habe.
Nach dem Seminar war ich noch mit anderen Freiwilligen in Manipal, um dort zu feiern. Manipal ist eine Studentenstadt, 15 Minuten von Udupi entfernt. Der Club, in dem wir waren, war sehr westlich. Allerdings hatte der Dance Floor nur eine Stunde geöffnet, was ich sehr befremdlich fand. Ich war auch ein wenig damit überfordert, dass alles so war, wie es war. Das war mir nicht genug Indien. Nachdem die Nacht im Club schon früh beendet war, gabelte uns ein superreicher Inder auf. Sein Hauptargument, warum wir ihm vertrauen sollten, war, dass er ein deutsches Auto fuhr, einen BMW. Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich in meinem Leben zuvor schonmal in einem BMW saß. Hahhaha!
Er nahm uns mit zu seiner Strandvilla mit Privatstrand und Köchin, die uns sofort etwas kochte, als wir ankamen. Es war schon beeindruckend, das alles so zu sehen. Aber es war nicht unbedingt positiv. Die ganz simple Realität, dass es reiche und arme Menschen gibt, war auf einmal nicht mehr simpel. Ich empfand es in diesem Moment als äußerst ungerecht und ich fühlte mich fehl am Platz in dieser riesigen Villa.
Manipal hat mich nicht so überzeugt, es war nichts Halbes und nichts Ganzes. Es war nicht Indien, aber es war auch nicht Europa, es war eine Möchtegernmischung, die mir nicht gefallen hat. Deswegen war ich auch froh, als ich am Samstag wieder zu Hause in Trasi ankam, wo mich  bekannte Gesichter freundlich auf der Straße begrüßten.
Am Abend nahm meine Aunty Laetitia und mich mit zu einer Function. Alles, was hier ein Fest ist heißt Function und aus jedem Anlass wird auch ne Function gemacht. Diesesmal war es der Vorabend einer Hochzeit. Der Bräutigam war ein Cousin 2. Grades meiner Aunty. Begleitet von Musik, Gebeten und viel Essen wurde er von allen nahen Verwandten an diesem Abend mit Kokosnussmilch übergossen, so dass er für den nächsten Tag gesegnet war. Es war ein sehr lustiges Fest und steigerte die Vorfreude auf die Hochzeit am nächsten Tag.
Die Hochzeitsmesse war eher langweilig, was wahrscheinlich daran lag, dass Laetitia und ich nichts verstanden. Dafür hatten wir umso mehr Zeit, die vielen bunten Saris näher zu betrachten. Als dann das eigentliche Programm anfing, mit Torte anschneiden, Goldkette umhängen und Hochzeitstanz war die Stimmung so ausgelassen, dass Laetitia und ich uns sogar ebenfalls dazu hinreißen ließen, indisch unsere Tanzbeine zu schwingen ;)
Nach dem Essen haben wir uns dann auf den Rückweg gemacht, auf dem uns lauthals lachend über das Erlebte unterhielten. Aber leider findet alles sein Ende. Es war Laetitias letzter Tag. Sie kam noch mit zur Dance Class, um sich auch von den Leuten dort zu verabschieden. Und dann stand unser Abschied an. Die letzten drei Monate hatte ich mit ihr verbracht, wir hatten so viel zusammen erlebt und ausgerechnet jetzt wo wir uns immer besser verstanden und sie wie eine Schwester für mich war, war ihre Zeit um. Dementsprechend indisch herzzerreißend war auch unser Abschied!
Am Abend war ich dann ungewohnter Weise ganz alleine in meinem Zimmer. Das war auf einmal ein ganz neues Gefühl. Meine Gastschwester Deryl wirkte ebenfalls ein wenig betrübt. Laetitia wird uns beiden hier schon fehlen mit ihrer fröhlich verrückten Art.
Am nächsten Tag, als wäre es noch nicht genug mit den ganzen Functions, stand die nächste an. Allerdings hatte diese keinen fröhlichen Anlass. Es war die Ein-Jahr-Todes-Tags-Function vom Vater meiner Aunty. Wieder ein Gottesdienst, Gebete am Grab und Essen. Leider konnte ich die Veranstaltung nicht ganz so genießen, sofern man eine Veranstaltung zu solch einem Anlass genießen kann. Ich bin in der Kirche erstmal abgeklappt, hab ja ohnehin wieder nichts verstanden. Also hab ich nicht viel verpasst. Aber macht euch keine Sorgen, mir geht es wieder gut, ich kenn mich ja schon aus mit Ohnmacht. Außerdem haben sich alle sehr rührend um mich gekümmert: "What happened, are you okay now?! Yesterday you were dancing so nice and today you are so weak!?" Hahaha. Na immerhin konnten sie sich daran erinnern, dass ich schön getanzt hab. ;)
Das waren sie also die indischen Functions. Heute haben wir immernoch von dem übrig gebliebenen Fish Curry gegessen.
Nächste Woche bin ich schon wieder zu einer Hochzeit eingeladen, diesmal eine Hinduhochzeit im Tempel. Da bin ich schon sehr gespannt drauf.
Am Dienstag und heute war ich nach der Schule am Strand, hab den Sonnenuntergang bewundert und getanzt.
In der Schule läuft es super. Die Kinder verstehen meistens, was ich von ihnen will oder sie tun netter Weise so und nicken mit indischem Kopfgewackel. In der letzten Stunde spiele ich mit den Kindern dann immer Federball, Volleyball oder heiße Kartoffel. Das ist immer sehr amüsant.
Was es noch zu sagen gibt:
Mittlerweile treffe ich, sobald ich vor die Tür gehe, Leute, die ich kenne. Entweder aus der Schule, von der Dance Class oder von irgendwelchen Functions ;)
Die indischen Werbeslogans kann ich schon mitsingen, obwohl ich noch nie einen gesehen habe.
Jeden Tag übe ich Kannada-Buchstaben zu schreiben und diese Schrift wird nicht umsonst Popcorn-Schrift genannt ;)
Die Buspreise sind um 2 Rupien angestiegen.
Auf die Frage "What do you know about England?" sagte ein Schüler "Pig!" und schaute mich ganz erwartungsvoll an, damit ich ihm die Antwort als richtig bestätigte.
Nach drei Monaten bin ich auch auf dem Geschmack gekommen, Nightys zu tragen. Das sind lange Oma-Nachhemden in allen möglichen Farben und Mustern.
Das Kopfwackeln habe ich schon übernommen. Es war sogar das erste, was ich tat als ich aus meiner Ohnmacht aufwachte, um meiner Aunty zu sagen, dass es mir gut geht.
"okay, okay" + Kopfwackeln, so kommuniziere ich hier den ganzen Tag. Oder ich sage "Ja Boaa!" um meine Verwunderung auszudrücken ;D

Tata! Bye und Kopfgewackel!
Eure Tani



Donnerstag, 15. November 2012

Just Dance!

Nachdem meine liebste Mama letzte Woche für mich den neuen Post veröffentlicht hat (Danke!), ist wieder einmal viel passiert.
In der letzten Woche bin ich in der Schule so richtig aufgegangen. Die Woche war auch insofern besonders als dass es keinen freien Tag gab ;). Eine ganz normale Woche. Ich war hochmotiviert und die Kinder waren es ebenfalls. Alles, was ich mit ihnen machtes, nahmen sie super auf. Ich war sehr dankbar und froh, Zeit mit ihnen verbringen zu können. Wir lachten viel und lernten uns immer besser kennen.
Am Wochenende war ich dann mit Jana in Goa. Einen Trip, den wir eher spontan machten und auch dementsprechend vorbereitet waren. Nämlich so gut wie gar nicht. Das hatte aber auch etwas :D Zwei Nächte und einen Tag verbrachten wir im europa-ähnlichen kleinen Bundesstaat nördlich von Karnataka. Wir waren überrascht, dass dort einfach alle Englisch konnten, vom Busfahrer bis zum kleinen Shopbesitzer. Das war aber noch ein eher harmloser Unterschied zu Karnataka. Als wir mit der Rikscha am Baga Beach ankamen, fielen uns fast die Augen aus dem Kopf. Touristen in Shorts, kurzen Röcken, schulterfreien Tops und an jeder Ecke Bars und Clubs. Das hatten wir so nicht erwartet und wir waren ehrlich gesagt geschockt. hahhaah :D ("Guck die doch nicht so offensichtlich an!")
Als wir uns dann auch in dieses Getümmel stürzten, war es anfangs sehr befremdlich, aber wir konnten uns schnell an das Partytreiben gewöhnen und hatten dann doch eine sehr amüsante aber verrückte Zeit in Goa. Wir tanzten, tranken und lernten viele Leute kennen, die uns nach Mumbai, Delhi und Bangalore einluden. ;) Kurzum wir hatten Spaß. Es war etwas komplett anderes als das, was wir aus Karnataka kannten. Und daher erlitten wir wieder einen Umkehrschock als wir zurück nach Hause kamen.
Zum Glück mussten wir auf das Tanzen nicht verzichten: Wir freuten uns riesig auf unsere Dance Class. Die Proben waren nun sehr intensiv, da wir einen Auftritt an Diwali haben sollten.
Endlich war es dann so weit, Dienstag, Diwali. Diwali ist das größte Festival der Hindus, das Lichterfest, an dem viele Lichter angezündet, Gebete gesprochen und lecker gegessen wird. Das habe ich mir jedenfalls sagen lassen. An Tagen wie diesen ist es schade, dass ich nicht in einer Hindu-Familie lebe. Der Tag war hier zu Hause nichts Besonderes. Außer dass ich mit meiner Mama telefoniert hab, um ihr zum Geburtstag zu gratulieren. Telefonieren geht echt gut hier, besser als skypen. Es gibt wohl eine Vorwohl mit der man nur nen 1 cent pro Minute bezahlt. Also ich würde mich freuen, wenn ihr mich mal anruft ;)
Am Nachmittag gings dann los zur Dance Show, zwei Stunden von hier mit dem Bus entfernt. In den Bus hätten in Deutschland vielleicht so um die 30 Leute gepasst. Aber da wir ja in Indien sind, waren es so ungefähr 50 :D Alle waren gespannt und voller freudiger Erwartung. Wir sangen und tanzten im Bus und bewunderten die an uns vorbeiziehenden Diwali-Feierlichkeiten, die wie eine Mischung aus Silvester und Weihnachten waren. Überall hingen Lichterketten und an jeder Straßenecke machten sich Jungs über Feuerwerkskörper her.
Die Show in Honnavara fand draußen statt und war anscheinend auch eine Diwali-Veranstaltung. Jana, Marlene und ich wurden in Kostüme gesteckt, die stark an Zirkus erinnerten. Aber als wir sahen, dass unsere Boys ebenfalls wie Clowns aussahen, waren wir beruhigt ;)
Der Auftritt lief gut. Zum Glück waren wir schon fast ganz am Anfang dran, so dass wir danach in aller Ruhe die anderen Tanzschüler aus unserer Tanzschule bestaunen und beklatschen konnten. Sie waren wirklich alle sehr gut und wir waren schon ein bisschen stolz, Teil dieser Tanzschule zu sein.
Die Nacht verbrachte ich bei Jana, weil meine Gastmutter nicht wollte, dass ich so spät nach Hause komme. Den nächsten Tag verbrachte ich dann auch noch bei Jana in Gangolli, was nur 5 Minuten mit dem Bus von mir zu Hause entfernt ist. Ihre Familie ist so nett, ich habe sie sofort ins Herz geschlossen. Der Gastbruder nahm uns mit auf einem Boot auf eine kleine Insel. Ein wirklich schöner und total spontaner Ausflug.
Heute in der Schule kamen die Kinder, die auch bei der Dance Show dabei waren zu mir und wollten mit mir darüber reden und sagten mir, dass mein Dance super war. Das Gleiche konnte ich nur zurückgeben. Diese Schüler sind für mich schon mehr wie Freunde als wie Schüler, zumal ich ja auch nur einige Jahre älter bin als sie. Heute in der Schule war es ansonsten wieder mehr so larifari, weil ja morgen schon wieder Freitag ist und dann Wochenende... Aber das ist ja nichts Besonderes hier ;)
Im Moment bin ich wirklich glücklich. Alles wird immer noch besser. Ich kann es gar nicht fassen und bin die ganze Zeit am Staunen, dass man so viel Glück auf einmal empfinden kann.
Was es noch zu sagen gibt:
Ich habe mittlerweile nur noch Ohrwürmer von indischen Liedern.
Überall wo ich jetzt bin, versuche ich Kannada-Wörter zu entziffern, auch wenn ich dann die Bedeutung nicht verstehe.
Viele Eltern geben ihren Kinder hier Namen mit den gleichen Anfangsbuchtstaben, z.B. Prajwal, Pooja und Prathwik.
So langsam wird es hier kalt. Als ich meine Gastmutter heute morgen auf dem Flur getroffen hab,  meinten wir beide nur: "ooh, very cold!" und sind wieder ins Bett gegangen :D

Also ich melde mich bald wieder.
Tata!
Eure Tani



Ein winziges Stück der Vielfalt Indiens


Meine Urlaub und das Workcamp waren super. Und genauso ging es auch danach weiter.


Zuerst waren wir in Ooty, das ist schon in Tamil Nadu. Ein kleines Dorf in den Bergen gelegen. Aber aufgrund mangelnder Vorbereitung wussten wir nicht viel darüber.Wir wussten nicht einmal die Dauer der Busfahrt und waren überrascht als wir am Samstag um zwei in den Bus stiegen und man uns sagte, dass wir Sonntag Nachmittag in Ooty sein würden. "Was so lange?!" Auch als wir in Ooty ankamen, wurden wir abermals überrascht, diesmal vom Wetter. Es regnete und es war kalt. Also war das erste, was wir dort machten, uns Pullover und Turnschuhe zu kaufen. Danach konnten wir uns auf die unter Nebel und Regen verschwindende Stadt konzentrieren, die etwas Mystisches an sich hatte. Wir fühlten uns wie im kalten herbstlichen Europa und wunderten uns unablässig über dieses Indien, das uns immer wieder überraschte. Die Stadt war an einem Hang gelegen mit kleinen Straßen, die sich schlängelten und trotz des Regens voller Leute waren. In jedem zweiten Laden wurde "Home made chocolate" verkauft, was wir uns natürlich nicht entgehen ließen. Leider schmeckte die Schokolade eher wie Zucker mit Fett. Aber immerhin war es Schokolade ;) Diese Leckerei genießend standen wir ein wenig oberhalb der Stadt und bewunderten den Anblick, der sich uns bot: Viele bunte Häuser dicht an dicht an den Hang gedrängt überzogen von einem Nebel, der sich über die ganze gewaltige Berglandschaft dahinter zog. Das Ausmaß dieser Landschaft konnte man durch die Schwaden nur erahnen, wo sich ab und zu die Spitze eines grün bewachsenen Berges zeigte.
In Ooty schauten wir uns den botanischen Garten, ein paar Kirchen und den Rosegarden an. Es hatte etwas Englisches an sich, im Regen durch die gepflegten Gärten zu schlendern.
Das Highlight von Ooty war die Tea Factory, wo wir sahen, wie die ringsrum angepflanzten grünen Teeblätter zu schwarzen Teekrümeln verarbeitet wurden. Außerdem gab es ein paar Tafeln, auf denen die Geschichte des Tees und vor allem des Tees in Indien erzählt wurde. Die Engländer brachten den Tee von China nach Indien, wo heute Darjeeling, Assam und Nilgiris die bekanntesten Sorten sind. Live in der Nilgiris-Region zu sein und sich vorzustellen, dass der Tee von da aus in die ganze Welt exportiert wird, war sehr beeindruckend. So beeindruckend, dass ich natürlich auch gleich ein bisschen Tee kaufte ;)
Von Ooty aus ging es weiter nach Mysore, wo wir pünktlich zum Dasara Festival (Elefanten-Festival) ankamen. Hier war es wiederrum unerwartet warm, also war das erste, was wir Mysore taten, alle Klamotten und Schuhe wieder auszuziehen und in unseren Rucksäcken zu verstauen. Da wir nicht viel Zeit in Mysore hatten, schauten wir uns am ersten Tag an, wie Räucherstäbchen, Zigaretten und Öle gemacht wurden. Am Abend bewunderten wir die magische Schönheit des Mysore Palace. Als es dann dunkel wurde und alle Lichter des Palastes aufleuchteten, ging ein Raunen durch die ganze Menge, die davor wartete. Nachdem es viele "Oohs" und "Aahs" gegeben hatte, wurden Kameras gezückt und fleißig fotographiert. Wir wurden sogar von mehrern Kamerateams interviewt ;) Am Abend trafen wir uns mit vielen anderen Freiwilligen, die entweder in Mysore arbeiteten oder genau wie wir für das große Festival kamen.
Denn am nächsten Tag war das Ende des neun Tage lang gefeierten Dasara-Festivals. Es wurde mit einer großen Parade und einer Light Show abgeschlossen. Da wir wussten, dass viele viele Leute kommen würden, suchten wir uns schon früh morgens einen Platz. Wir setzten uns hinter eine nette Familie und warteten. Und warteten. Und warteten. Wir warteten ungefähr 5 Stunden unter der erbarmungslosen Sonne, bis die Parade begann. Es wurde uns dann auf unseren Plätzen zu eng und wir kletterten über den Zaun und saßen ganz in der ersten Reihe auf der Straße, wo wir bunt geschmückte Wagen und kostümiert tanzende Leute bestaunten. Mit uns staunten soo viele Leute, es war unglaublich. Als dann vier Elefanten die Parade beschlossen, flippten alle Inder förmlich aus. Für uns war das ein wenig befremdlich, weil wir dachten, dass Elefanten für Inder noch eher alltäglich sind als für uns Europäer :D Aber später ließ ich mir erklären, dass einer der Elefanten ein heiliges goldenes Relikt auf dem Rücken trug, das die Heimstätte des Gottes ist, der an Dasara gefeiert wird. Mhh, alles ein bisschen diffus, ich weiß wirklich viel zu wenig darüber.
Am Abend sahen wir die Show, die ebenfalls sehr beeindruckend war. Am schönsten war die Torch Light Parade (Fackelparade) anzusehen. Ungefähr 500 ganz in weiß gekleidete Männer hielten in beiden Händen je eine Fackel und marschierten in vielen Formen. Es war definitiv ein würdiger Abschluss für das Festival, den die Männer der Karnataka Police einstudiert hatten. Gekrönt wurde das Ganze noch von einem wunderschönen Feuerwerk.
Nichtsdestotrotz waren wir alle froh als wir am nächsten Tag den Menschenmassen aus Mysore ins ruhige Madikeri entfliehen konnten. Madikeri liegt zwischen Mysore und Kundapur und ist genau wie Ooty ein wenig höher gelegen. Aber im Gegensatz zu Ooty war es hier nicht kalt.
Madikeri ist eine schöne Stadt mit umringt von Bergen mit einem schönen Tempel, vielen Geschäften und Restaurants. An unserem ersten Tag besuchten wir den Markt, auf dem es Gemüse, Obst, Fisch und Gewürze gab. Ein stinknormaler Markt, der mich aber so faszinierte, dass ich den ganzen Tag dort hätte verbringen können.Von Madikeris Fort aus hatten wir eine schöne Sicht über die Stadt und konnten den Sonnenuntergang genießen. Nach dem köstlichen Essen machten wir unseren Abendspaziergang durch die Straßen und stießen dabei auf einen Tempel, der beleuchtet war wie der Berliner Weihnachtsmarkt (hahahah, wenn Conni das liest wird sie gar nicht begeistert sein. Sie kommt aus Sachsen und als ich sagte "Boah das sieht ja aus wie aufm Weihnachtsmarkt" war sie geschockt und meinte, dass Weihnachtsmärkte doch ganz anders aussehen würden - ja in Dresden vielleicht ;D). Im Tempel gab es ein Fest, das noch immer zum Dasara-Festival gehörte.Viele Menschen waren da, es gab viel zu essen und die Kinder umringten uns sofort, fragten nach unseren Namen, unserem Land und ob wir ausländische Münzen hätten :D Dort lernten wir einen jungen Inder kennen, der uns auch prompt zu einer Jeep Tour einlud, die er am nächsten Tag mit ein paar Freunden machen wollte. Das konnten wir ihm natürlich nicht abschlagen und sehr zufrieden machten wir uns auf den Weg nach Hause.

Am nächsten Tag standen wir früh auf und waren uns nicht so ganz sicher, wie fest wir wirklich verabredet waren. Aber schon nach kurzer Wartezeit vor unserem Hotel kam Banji vorbei und winkte begeistert, dass wir doch schnell einsteigen sollten. Banji, dessen Name uns viel Freude bereitete, da wir ihn versehentlich ständig in Manju, Banju oder Bandi abwandelten, war eine lustige Person. Noch mehr lachen mussten wir, wenn er lachte, weil er dabei seine Schultern hochzog, den Kopf senkte und vor sich hinkicherte. Er sah aus als wäre er einer Trickfilmserie entsprungen. Nachdem wir seine Freunde eingeladen hatten, ging es zu zwölft in den Jeep gequetscht los. Indian Style.
Die Inder kamen aus Hyderabad, sprachen sehr gut Englisch und waren in Tommy Hilfiger und Calvin Klein gekleidet. Dagegen gaben wir in unseren Chudidas (der traditionellen indischen Kleidung) einen großen Kontrast ab. Mit Zac, dem 3 jährigen Sohn des einen, hatten wir ebenfalls sehr viel Spaß. Lachend, singend und tanzend wurden wir von Banji auf eine große Hügelgruppe gefahren. Von dort oben war die Sicht einfach atemberaubend. Der Wind wehte und die ringsum grünen Berge ließen mich wieder staunen. Das ist Indien?!
Auf dem Rückweg legten wir noch eine kurze Badepause an einem idyllischen Fluss ein. Und als wäre der Tag noch nicht perfekt genug gewesen, luden uns unsere neuen indischen Freunde zu einer Party in ihrem Haus am Abend ein. Die Party war super und auch die erste, die wir je in Indien hatten. Wir tanzten zu indischer und englischer Musik, saßen um ein Lagerfeuer herum und genoßen die Gesellschaft der netten Inder.
Am nächsten Tag ging es ereignisreich weiter. Wir machten einen Ausflug in die Kaffeeplantagen, die überall um Madikeri herum gelegen sind. Dort zeigte uns der Besitzer nicht nur Kaffee, sondern auch Pfefferpflanzen, Kardamom, Reisfelder, 400 Jahre alte Mangobäume, Avocadobäume, Guavenbäume, Grantapfelsträucher, Chikoosträucher und vieles mehr. Zu guter letzt lud er uns auf eine Tasse Kaffee ein - was sonst ;) Zurück in Madikeri stiegen wir in den Bus zum 40 km entfernten Golden Tempel, ein buddhistischer Tempel, wo 5 000 Mönche und 20 000 Exiltibeter leben. Leider war dieser Ort voll von Touristen, was den Glanz des Tempels ein wenig abschwächte. Allerdings unterhielten wir uns lange mit einem der Mönche, der aus Bhutan kam. Er erzählte uns viel über das Leben in den Tempelanlagen und über sein Studium der buddhistischen Lehre. Sehr interessant. Diese Begegnung regte uns an, über Relgionen nachzudenken und über unsere Rolle hier als Volonteers. Sie klang noch bis zum Abend nach, an dem wir in den Sleeperbus zurück nach Kundapur stiegen.
Eine Reise, die noch länger nachklingen wird als nur eine Nacht lang im Sleeper. Wir haben so viele neue Seiten von Indien gesehen und so langsam beginne ich zu verstehen, was "Diversity of India" wirklich bedeutet. Das ist Indien!
Zurück zu Hause, und mittlerweile ist es wirklich mein zu Hause, habe ich mich so gefreut, Aunty und Deryl zu sehen. Außerdem habe ich mich auf die Dance Class gefreut und auch auf die Kinder in der Schule. Mittlerweile läuft es in der Schule super. Ich bin begeistert von den Kindern. Ich lerne sie jetzt wirklich kennen und lieben.
was es noch zu sagen gibt:
Das Mysterium um die herumliegenden Schuhe scheint gelöst zu sein: Die Inder entsorgen ihre Schuhe einfach im Straßengraben, wie auch den anderen Müll. Eine simple Erklärung, die aber einleuchtet, da sie Schuhe nur schlecht weiterverwerten können...
Anscheinend haben doch nicht alle Inder einen Schnurrbart :D hahahha
Whisky mit Wasser gemischt macht irgendwie keinen Spaß...
Ich habe mir vorgenommen, dass ich alle Quizfragen, die mir als Spam-sms gesendet werden, am Ende des Jahres beantworten kann :D
Ich bin nach wie wor ein Fan von Spinat, in jeder Form.
Ich werde bald mit meiner Dance Class irgendwo auftreten, ich bin schon ganz gespannt. 

Also macht es gut. Bis bald
Namaskara und Tata

Eure Tani